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Bundenbach 
Fossilien Details

Ein Zeitfenster vor 400 Mio. Jahren

Hunsrückschiefer-Fossilien im Detail

Unter die Lupe genommen

Die Feingliedrigkeit ist "Fluch und Segen" der Bundenbach-Fossilien. Viele Museen schrecken davor zurück, die kleinen schwarzen Täfelchen, oft nicht mehr als Handteller-groß, zu präsentieren - in einer Zeit, wo der Museumsbesuch oftmals zum multimedialen Erlebnis stilisiert wird. Die Stücke sind aber eben nur auf den ersten Blick unscheinbar. Sie zwingen den Betrachter zum genauen Hinsehen und belohnen ihn, sofern fachgerecht präpariert, mit delikaten Details, die nicht nur wissenschaftlich interessant sind, sondern auch von einer eigenen graphischen Qualität. Nachfolgende Detail-Aufnahmen laden dazu ein.

Crinoidea (Seelilien)

Im folgenden wird das Augenmerk gerichtet auf ein spezielles Organ unterschiedlicher Ausprägung im Detail, den Ventralsack, zur Nahrungsverwertung und Fortpfanzung, überliefert in einer Vielzahl kleinster Calzitelemente.

Bathericrinus hystrix zählt zu den skurrilsten Vertretern der Seelilien in Bundenbach. Der Namen (lat. hystrix = Stachelschwein) leitet sich ab von dem großen Ventralsack (bzw. Analsack), der an der Spitze bis zu 10 lange Stacheln zur Abwehr von Feinden aufweist.

03_02_Bathericrinus hystrix; Bundenbach
03_02_Bathericrinus hystrix; Bundenbach_Detail

Eine Platte zeigt bei genauerer Betrachtung die Besonderheit (bislang nicht beschrieben) einer zusätzlichen Bestachelung, ungefähr mittig angeordnet:

03_03_Bathericrinus hystrix; Bundenbach
03_03_Bathericrinus hystrix; Bundenbach_Detail
Für diese Gattung typisch, aber nur bei größeren Exemplaren ausgebildet, sind die feinen Cirren am Stiel, womit sich das Tier am Untergrund befestigen konnte:

03_01_Bathericrinus hystrix; 30x26 cm; Bundenbach
03_01_Bathericrinus hystrix; 30x26 cm; Bundenbach_Detail_1
Gastrocrinus giganteus verdankt seinen Namen (lat. giganteus = riesengroß) ebenfalls dem Ventralsack, der hier übermäßig groß, aber nicht bestachelt ausgebildet ist. Der insgesamt robuste Bau kennzeichnet die rheinische Fazies mit verstärkt sandigen und weniger tonigen Ablagerungen, vorzugsweise nördlich vom heutigen Bundenbach. 
06_01_Gastrocrinus giganteus; 29x23 cm; Bundenbach_sw_small
06_01_Gastrocrinus giganteus; 29x23 cm; Bundenbach_X-ray
Charakteristisch sind die - für Bundenbach einzigartig - kräftigen Cirren über den gesamten Stiel, wie an einer anderen Platte mit 3 Individuen sichtbar:

06_02_Gastrocrinus giganteus (3x); 48x30 cm; Bundenbach
06_02_Gastrocrinus giganteus (3x); 48x30 cm; Bundenbach_Detail
Follicrinus grebei ist ein weiterer Vertreter der rheinischen Fazies, der seinen Namen (lat. follis  = Ballon) seinem Ventralsack mit sternförmiger Skulptur verdankt. Von den Leyenbrechern (Spaltern) wurde er stattdessen "Quetschenbaum" genannt.
05_01_Follicrinus grabei; 29x29 cm; Bundenbach
05_01_Follicrinus grabei; 29x29 cm; Bundenbach_X-ray

Die Annahme, es handele sich um einen freischwimmenden Comatuliden, wird auch durch folgendes Belegstück widerlegt.

05_02_Follicrinus grabei; 26.5x22 cm; Bundenbach
05_02_Follicrinus grabei; 26.5x22 cm; Bundenbach_Detail
Parisangulocrinus ist die in Bundenbach am häuftigsten vertretene Gattung mit Ventralsack.

09_02_Parisangulocrinus zaeformis; Bundenbach
09_02_Parisangulocrinus zaeformis; Bundenbach_Detail
In "sturbust" - Position (Draufsicht) wirkt die Krone besonders dekorativ:

09_04_Parisangulocrinus zaeformis; 16.5x14 cm; Bundenbach
09_04_Parisangulocrinus zaeformis; 16.5x14 cm; Bundenbach_Detail

Rhadinocrinus ist gekennzeichnet durch einen langen, schlanken und oft mehrmals gebogenen Ventralsack, nachfolgend ein Jungexemplar, nur wenige Zentimeter groß:

11_02_Rhadinocrinus dactylus; 16x13 cm; Bundenbach
11_02_Rhadinocrinus dactylus; 16x13 cm; Bundenbach_Detail_zoom

Probleme in der Zuordnung bereitet folgende, vielleicht bislang unbekannte Art mit eigentümlicher Strukturierung:

11_01_Rhadinocrinus dactylus; 16x13 cm; Bundenbach
11_01_Rhadinocrinus dactylus; 16x13 cm; Bundenbach_Detail

Asterozoa (Sterntiere)

Das (ästhetische) Interesse gilt nachfolgend den Sterntieren. Charakteristische Vertreter aus Bundenbach werden genauer betrachtet.

Bundenbachia benecki, ein Schlangenstern mit typisch langen, peitschenartigen Armspitzen.

Bundenbachia benecki_Bundenbach
Bundenbachia benecki_Bundenbach_Detail

Euzonosoma tischbeinianum, ebenfalls ein Schlangenstern, wirkt sehr robust mit seiner großen Scheibe und den blockartig runden Randplatten.

Euzonosoma_tischbeinianum_Bundenbach
Euzonosoma_tischbeinianum_Bundenbach_Detail

Medusaster rhenanus ist von anderem Habitus: Ein kleiner, graziler Schlangenstern mit vereinzelt zarten Stacheln.

Medusaster_rhenanus_Bundenbach
Medusaster_rhenanus_Bundenbach_Detail

Heliantaster rhenanus, der große Bruder von Medusaster, ein Seestern mit über 20 cm, im Detail ist die Madreporenplatte erkennbar.

Heliantaster_rhenanus_Bundenbach
Heliantaster_rhenanus_Bundenbach_Detail

Hystrigaster horridus, ebenfalls ein "echter" Seestern, macht seinem Namen alle Ehre (lat. Hystrix horridus = borstiges Stachelschwein).

Hystrigaster_horridus_Bundenbach
Hystrigaster_horridus_Bundenbach_Detail

Jaekelaster petaliformis, ein weiterer klassischer Seestern, mit dichtem Stachelkleid.

Jaekelaster_petaliformis_Bundenbach
Jaekelaster_petaliformis_Bundenbach_Detail

Palaeostella solida, auch er ein Seestern, von kleinem, gedrungenem Habitus.

Palaeostella_solida_Bundenbach
Palaeostella_solida_Bundenbach_Detail

Urasterella asperula, der häufigste Seestern im Hunsrücks mit langen Stacheln besetzt. 

Urasterella_asperula_Bundenbach
Urasterella_asperula_Bundenbach_Detail

Loriolaster mirabilis, ein Schlangenstern mit dünner Schwimmhaut, trägt seinen Artnamen aus gutem Grund (lat. mirabilis = wunderbar).

Loriolaster_mirabilis_Bundenbach
Loriolaster_mirabilis_Bundenbach_Detail

Arthropoda (Gliederfüssler)

Dieser Stamm liefert im Detail den größten Reichtum an Informationen. Als Spezialthema gewählt werden im folgenden die Augen.

Rhenops anserinus, ein Vertreter der Trilobiten, mit großen Facettenaugen.

Rhenops_anserinus_Bundenbach
Rhenops_anserinus_Bundenbach_Detail

Nahecaris stuertzi, eine große Blattkrabbe mit einem Paar großer, rundlicher Stielaugen.

Nahecaris_stuertzi_Bundenbach
Nahecaris_stuertzi_Bundenbach_Detail

Oryctocaris balssi, der kleine Bruder, ebenfalls mit deutlich sichtbaren Stielaugen.

Oryctocaris_balssi_Bundenbach
Oryctocaris_balssi_Bundenbach_Detail

Mimetaster hexagonalis, ein Scheinstern, der in Mimikrie einem Seestern ähnelt. Das Exemplar lässt bei genauerer Betrachtung Augenpaare erkennen, eine absolute Rarität.

Mimetaster_hexagonalis_Bundenbach
Mimetaster_hexagonalis_Bundenbach_Detail

Der Nachweis von Augen wurde 2010 von KÜHL&RUST beschrieben. Ein Röntgenbild mit handschriftlicher Ergänzung von STÜRMER aus den 70er Jahren lässt erkennen, dass ihm dieser ungewöhnliche Befund seinerzeit vertraut war.

Mimetaster_hexagonalis_Bundenbach_Stürmer
Mimetaster_hexagonalis_Bundenbach_Stürmer_X-ray

Agnatha (Fische)

Fische zählen ebenfalls zu den Raritäten im Hunsrückschiefer, weshalb mein Bildmaterial überschaubar ist. Veranschaulichen möchte ich Details von zwei Kieferlosen (Agnatha).

Drepanaspis gemuendensis weist einen abgeplatteten Kopf auf mit breitem Mund und seitlich orientierten Augenmulden, als ringförmige Einbuchtungen deutlich sichtbar.
Drepanaspis_gemuendensis_Bundenbach
Drepanaspis_gemuendensis_Bundenbach_Detail

Gemuendina stuertzi, wenngleich nur die Vorderseite in ventraler Lage erhalten, zeigt zwei Besonderheiten im Detail. Gut erkennbar sind zum einen die Tuberkelreihen (Hautzähnchen) am Vorderrand des Kopfes. Des weiteren sichtbar ist das "Rautenmuster" auf der Brustflosse. Letzteres besteht (von innen nach außen) ventral aus einer Basalplatte und aus bis zu drei Reihen von Radialplatten (proximale größere und breitere, mittlere kürzere und schmalere und distale, die nur hinten entwickelt sind). An dieser Stelle vielen Dank an Hermann Lintz und Wouter Suedkamp!

Gemuendina_stuertzi_Bundenbach
Gemuendina_stuertzi_Bundenbach_Detail